Zu Beginn meines Geburtsberichtes möchte ich darauf eingehen wie ich mich auf dieses einmalige Ereignis während der Schwangerschaft vorbereitet habe.In der 20. Schwangerschaftswoche haben wir - mein Partner Martin und ich - zusammen einen HypnoBirthing-Geburtsvorbereitungskurs besucht. An 5 Montagen lauschten wir der lieben Angela Paulczinsky zum Thema Geburtsvorbereitung und HypnoBirthing in der 7sternpraxis in Wien. Mit HynoBirthingerlernt man durch spezielle Atemtechniken, Visualisierungen und progressive Muskelentspannung einen Trancezustand (ähnlich dem Zustand kurz vor dem Einschlafen) leichter zu erreichen und für die Geburt zu nutzen, um rasch und einfach zu gebären. Die natürliche Geburtstrance hilft einem sich ganz auf die Geburt einzulassen, alles Störende auszublenden und die Wehen (in HypnoBirthing „Wellen“ genannt) als ein Gefühl, mit dem man gut arbeiten kann, wahrzunehmen.Begleitend dazu habe ich die Bücher "HypnoBirthing" von Marie F. Mongan, "Alleingeburt" von Sarah Schmid und "Die selbstbestimmte Geburt" von Ina May Gaskin gelesen. Zusätzlich dazu habe ich den wundervollen Podcast von Katrin Graf "Die friedliche Geburt" gehört. Das alles hat dazu beigetragen, dass ich angstfrei an die Geburt herangegangen bin und mich im Glauben bestärkte, dass eine Hausgeburt (fern ab vom Trubel eines Krankenhauses und deren teilweise unnötiger Eingriffe in den natürlichen Geburtsverlauf) der richtige Weg für mich ist. Zusätzlich dazu buchte ich den Onlinekurs „Die friedliche Geburt“ von Katrin Graf. Neben ihren sehr informativen Videos zum Thema Geburtsvorbereitung waren ihre unglaublich tollen Trancen zum Anhören Teil davon. Täglich übte ich damit, um einen verlässlichen Weg in einen tranceartigen Zustand zu finden und genoss dabei ihre sanfte Stimme die mich Tag für Tag zu meinem Kraftort und gedanklich in mein Inneres - in meine Gebärmutter zu meinem Kind – trug. Ich freute mich auf die Geburt und war so gespannt, wie ich all das Gelernte wohl in die Praxis umsetzen würde. Der errechnete Geburtstermin war der 23.12.2018. An diesem Tag spazierte ich noch mit Martin und den Hunden auf der großen Wiese auf Heubergstätten und gönnten uns am Abend noch eine Kinovorstellung – wahrscheinlich die letzte für länger Zeit! Und abgesehen von ein paar typischen Wehwehchen blickte ich zurück auf eine wundervolle Schwangerschaft, in der ich zum Glück nicht an Übelkeit litt. Nach der 12./13. Woche, war auch meine Energie wieder zurück, welche sich bis zum letzten Tag mehr oder weniger gehalten hat. Einen Tag später – an Weihnachten – begann dann die eigentlicheGeburtsgeschichte:Martin und ich hatten vor den Weihnachtsabend dieses Jahr bei seinen Eltern zu verbringen, da wir im vergangenen Jahr bei meinen waren. Da Ingrid, Martin's Mutter, noch bis 14 Uhr arbeiten musste, hatten wir beschlossen vorher ins Hallenbad "Aqua Nova" in Wr. Neustadt schwimmen zu gehen. Auf der Autofahrt dorthin meinte ich schon zu Martin “Mal sehen wie der Tag so verläuft“, da ich schon eine Vorahnung bezüglich Geburt hatte.Gegen 11:15 trafen wir im Bad ein und verweilten kurze Zeit später im warmen angenehmen Whirlpool. Da bemerkte ich hin und wieder ein leichtes Ziehen im Unterleib. Könnten das schon die ersten Kontraktionen sein?? Ich blieb gelassen und teilte mich Martin mit. Ich hatte das Gefühl, dass er aufgeregter war als ich. Wir merkten uns die Zeiten um zu sehen in welchen Abständen diese kamen. Sie waren vergleichbar mit dem leichten Ziehen, das ich kannte kurz bevor ich für gewöhnlich meine Periode bekomme. Die Zeit zwischen den Kontraktionen betrug zu dem Zeitpunkt ca. 15 Minuten.Gegen 13:15 war Badeschluss, weshalb wir uns auf den Weg nach Pöttsching, in Martin's Heimatortschaft machten.

In der Wohnung seiner Eltern angekommen, trafen wir auf seinen Stiefpapa Herbert, der schon fleißig in der Küche zugange war und unser Weihnachtsessen vorbereitete.

Der Esstisch war von Ingrid schon am Vorabend schön weihnachtlich hergerichtet worden. Der Weihnachts- baum blinkte und glänzte in allen Farben. Es war ein toller Anblick!

Beim Essen und Geschenke auspacken haben wir immer wieder die Zeiten notiert und die Abstände der Wellen geprüft. Gegen späteren Nachmittag waren die Kontraktionen schon in etwa alle 5 bis 10 Minuten zu spüren. Eine liebe Freundin der Familie besuchte uns und wir lauschten ihren Erzählungen. Gegen 17:00abends fing es an beim Sitzen unangenehm zu werden und wir beschlossen zusammenzupacken und die Heimreise anzutreten. Da es meine erste Schwangerschaft war, konnte ich nicht einschätzen wie viel Zeit uns noch blieb und von Pöttsching nach Wien ist es immerhin eine gute Dreiviertelstunde Fahrt.

Im Auto spürte ich die Wellen schon etwas intensiver als wie zuvor beim Essen. Ich dokumentierte weiter die Abstände auf einem Notizzettel. Dann kam mir die Idee, dass es doch sicher eine App dafür gibt, welche die Dauer jeder Welle und die Zeit dazwischen aufzeichnet und suchte eine im Playstore und lud sie aufs Handy.

Weiters schrieb ich unserer Hebamme Patricia eine Nachricht über den Tagesverlauf, die Abstände zwischen der Wellen und, dass wir jetzt nach Hause fahren und alles für die Geburt vorbereiten. Sie antwortete, dass ich mal weiter beobachten und mich nochmal melden soll. Ich war froh als die Fahrt gegen 19:00 endete und ich nicht mehr sitzen musste.

Daheim angekommen kümmerte sich Martin gleich um den Aufbau des Geburtspools. Ich hab allgemein für etwas Ordnung gesorgt, mich umgezogen und mir Tee, Cracker und Datteln hergerichtet. Großartig viel essen wollte ich vor der Geburt nicht mehr, da ich meinen Körper nicht unnötig mit verdauen belasten wollte.

Ungefähr alle 5 Minuten musste ich kurz inne halten, mich irgendwo abstützen und eine Welle veratmen. Sie dauerten ca. 30 bis 60 Sekunden, dann konnte ich wieder weiter machen.

Das Befüllen des Pools gestaltete sich wie schon Wochen vorher vermutet etwas schwierig, da wir nur einen 80 Liter Boiler haben, der uns mit warmen Wasser versorgt. Das bedeutete, dass wir das Wasser nicht schnell genug auf Wohlfühltemparatur bringen konnten Für das restliche

benötigte warme Wasser musste Martin mit einem 5 Liter Topf Wasser mit dem Induktionskochfeld erhitzen. Einen Topf nach dem anderen leerte er in den Pool, während ich mittlerweile versuchte auf der Yogamatte, welche ich für die Geburt - mit Laken und Handtüchern abgedeckt - hergerichtet habe, zur Ruhe zu kommen. (siehe Bild weiter unten). Das gelang mir nicht recht. Ich hatte die Geburtsmeditation von Kristin Graf im Ohr via Bluetooth-Kopfhörer und versuchte weiterhin meine Wellen zu tracken mit der App, welche ich im Auto runtergeladen hatte. Das Entsperren meines Handys und Drücken auf Start und Stopp brachte mich jedoch immer wieder raus und ich schaffte es nicht zu entspannen. Egal wie ich mich drehte und wendete, die Wellen waren ziemlich unangenehm. Auch der von einer lieben Freundin empfohlene Gymnastikball, verschaffte


mir keine Linderung. In mir stieg ein leichter Zweifel auf. Wenn ich schon bei diesen Wellen Schwierigkeiten hatte, mich in Trance zu versetzen und auch dort zu bleiben, was mache ich dann, wenn die Wellen später noch intensiver werden??

Im Nachhinein gesehen, hätte ich auf das Dokumentieren der Wellen mit der App verzichten sollen! Ich weiß gar nicht so recht wieso ich das so genau haben musste. Vermutlich wollte ich nicht den richtigen Moment verpassen Patricia anzurufen. Wir hatten vereinbart, dass wir sie kontaktieren, wenn die Wellen im Abstand von 5 Minuten kommen und das über einen Zeitraum von 2 bis 3 Stunden.

Gegen 22:30 bat ich Martin Patricia anzurufen. Er teilte ihr

mit, dass ich schon über eine Stunde Wellen im Abstand von fünf Minuten hätte. Sie wollte mich sprechen. Ich stellte Martins Aussage richtig, denn ich hatte, wenn man es genau nimmt bereits seit wir wieder in Wien waren Abstände von 5 Minuten, also mehr als 3 Stunden. Patricia schlug vor noch eine Weile abzuwarten und zu schauen wie sich die Wellen entwickeln. Wir sollen uns in einer Stunde noch einmal melden. Ich war etwas enttäuscht. Ich hatte gehofft, ich hätte die nächste Etappe erreicht

und sie würde sich auf den Weg machen. Vermutlich habe ich ihr am Telefon noch zu ruhig gewirkt.

Gegen 23:00 war der Pool soweit mit warmen Wasser gefüllt, dass ich mich endlich reinsetzen konnte. Zuvor war ich noch am WC und konnte meinen Darm entleeren. Perfektes Timing, denn ich hätte mich später nicht mehr aus dem Pool aufraffen können um aufs WC zu gehen.

Ich machte es mir gemütlich, lehnte mich gegen
den Poolrand mit Blick ins Wohnzimmer und
hinter mir das Fenster. Ich bat Martin den
Wehentracker auf meinem Handy zu bedienen. Ich teilte ihm Anfang und Ende der Wellen mit. Ein paar Mal kam es vor, dass ich das Ende einer Welle "verschlafen" habe, weil ich nach dem Abklingen der Kontraktion so schnell weggedriftet bin, dass ich erst bei Beginn der nächsten Welle wieder zu mir kam.

Ich veratmete Welle für Welle mit der sogenannten Bauchatmung. Dabei wird ganz langsam durch die Nase eingeatmet und mindestens genauso lang durch den Mund wieder ausgeatmet.

Ich war ruhig und konzentriert und merkte, dass die Wellen an Intensität zunahmen. Zwischendurch fragte ich Martin nach der Uhrzeit. Nachdem eine weitere Stunde verging, wartete ich noch eine Welle ab und bat Martin dann Patricia ein weiteres Mal anzurufen. Ich wollte, dass sie kommt! Sie verkündete Martin, dass Sie sich jetzt auf den Weg macht.

Es war zu diesem Zeitpunkt kurz nach 23:30. Ich veratmete Welle für Welle und als Patricia kurz nach 0:15 einkehrte, löste sie Martin ab, welcher sich kurz darauf auf das Hochbett im Wohnzimmer zurückzog um sich auszuruhen. Sie meinte wir könnten nun aufhören die Wellen aufzuzeichnen, welche ca. alle 3 bis 4 Minuten kamen.

Sie fragte mich wie es mir geht. Ich antwortete "Jaaa, geht so". Die Wellen waren schon recht unangenehm, aber ich kam gut damit zurecht. Sie überprüfte gleich zu Beginn mit dem Doppler die Herztöne des Babys, welche in Ordnung waren und fragte mich ob sich das Baby bewegt, was ich bejahte. Ich habe das Baby immer wieder mal gespürt.


Sie setzte sich unter das Hochbett und beobachtete das Geschehen. Ich konnte sie nicht sehen. Das Wohnzimmer war finster bis auf ein kleines rotes Stimmungslicht. Patricia wollte wissen ob ich einen Druck auf den Darm verspüre. Ich verneinte. Aber so ein Brennen, das sich vom Becken aus über beide Oberschenkel zog, konnte ich spüren. Rückenschmerzen hatte ich keine.

Ich hatte immer noch meine Bluetooth-Kopfhörer im Ohr, allerdings ohne der Geburtsmeditation. Die hatten sich irgendwann entkoppelt. Aber ich konnte mich dem Problem nicht mehr annehmen. Meine Konzentration galt einzig und allein der Veratmung.

Mir wurde heiß, mein Gesicht und meine Unterarme fingen immer wieder Mal an zu kribbeln und ich fühlte mich leicht benommen. Ich legte meine Arme über die Wasseroberfläche über meinen Kopf ab um für Abkühlung zu sorgen und teilte mich Patricia mit. Sie meinte, dass meine Ausatmung zu kurz ausfällt und ich deshalb hyperventiliere. Sie rät mir mich aufs Ausatmen zu konzentrieren und eventuell sogar mitzutönen - also laut auszuatmen. Das Einatmen war deutlich angenehmer für mich. Dennoch versuchte ich ihrem Rat zu folgen um gegen die Kreislaufbeschwerden anzukämpfen. Hin und wieder war eine besonders intensive Welle dabei, die ich nicht bewegungslos wegatmen konnte. Ich drehte mein Becken, strecke die Beine. Gerne wollte ich auch andere Stellungen ausprobieren um nicht die ganze Zeit über am Steißbein zu sitzen und damit den Geburtsweg für das Baby enger zu machen. Aber jedes Mal, wenn ich einen Versuch startete und meinen Bauch über die Wasseroberfläche hob, spürte ich die Schwere, welche mich wieder in die sitzende Position zwang.

Nach einer Weile – es war bereits gegen 1:30 nachts – löste sich etwas. Ich zog mein Bikinihöschen aus, griff zwischen meine Beine und holte etwas an die Wasseroberfläche. Das muss der Schleimpfropf sein. Er war schleimig und etwas blutverschmiert. Ich zeigte ihn Patricia und sie bestätigte meine Annahme.

Die nächste Welle war wieder eine intensivere. Plötzlich spürte ich eine Druckwelle zwischen meinen Schenkeln. Meine Fruchtblase war geplatzt. Patricia prüfte zum zweiten Mal die Herztöne des Babys – alles in Ordnung! Ich meldete Patricia, dass ich nun einen Druck auf den Darm verspüre. Das war der Zeitpunkt als wohl die Presswehen einsetzten. Von da an fühlten sich die Wellen an als würde sich mein Darm entleeren. Wie von selbst krampfte in mir etwas zusammen und schob das Baby weiter in den Geburtskanal. Ich konnte gar nicht anders als mitzuschieben und tönte dabei ganz automatisch mit als würde ich versuchen einen ganz schweren Gegenstand zu heben. Von Welle zu Welle hatte ich das Gefühl als würde etwas aus mir entweichen. Ich vermute mal es war immer wieder etwas Fruchtwasser.

Patricia riet mir ich solle mich in eine kniende Position begeben und ein Bein aufstellen um dem Baby noch mehr Platz zu machen. Ich folgte ihrem Rat, da ich dem Baby nicht im Weg sein wollte und hob mich langsam und vorsichtig aus dem Wasser, beugte mich nach vorne und legte meine Arme und meinen Kopf am Beckenrand ab. Die Wellen kamen regelmäßig, aber ich hatte dennoch immer wieder kurze Pausen dazwischen in denen ich wieder Energie schöpfen konnte.

In einer Wellenpause setzte ich mich kurz, tastete mit den Fingern nach unten in die Scheide hinein und fühlte etwas hartes darin. „Ich glaube ich spüre das Köpfchen!“ meinte ich und fragte Patricia ob sie auch mal fühlen möchte. Mit Handschuhen griff sie zwischen meine Beine und bestätigte meine Aussage. „Von nun an kommt das Köpfchen Millimeter für Millimeter weiter nach unten“. Ich weiß noch wie mich diese Aussage leicht schockte. „Millimeter für Millimeter“ hörte sich doch ziemlich langwierig an und hoffte es würde nicht mehr allzulang dauern..

Laut Patricia war der Muttermund komplett verstrichen und die Herztöne in Ordnung. Es war nun kurz vor 2:00 morgens und nach meiner Aussage über das Köpfchen war Martin wieder hellwach und kam energiegeladen zum Ort des Geschehens zurück. Ich dachte schon er würde den Moment in dem das Baby kam verschlafen.

Obwohl mein Körper ganz automatisch nach unten presste, war mir so als könnte ich das Tempo steuern und zügelte mich selbst mit den Worten „nicht so schnell, nicht so schnell“. Ich hatte das Gefühl ich würde sonst reißen, wenn ich zu stark mitschiebe. Ich wollte, dass alles etwas Zeit hatte sich zu dehnen und nahm die eine oder andere Welle mehr in Kauf.

Ich fühlte eine starke Dehnung, als der Kopf des Babys immer mehr Richtung Ausgang wanderte und fluchte sogar ein wenig in den Wellenpausen. Martin kniete rechts neben mir vorm Pool und massierte mich im Schulterbereich. Seine warmen Hände fühlten sich gut an. Er fragte mich ob ich gerne meinen Duft riechen würde. Ich habe diesen für das Setzen des Ankers ausgesucht, der mich sofort entspannen sollte, sobald ich den Duft rieche. Ich nickte ihm zu. Daraufhin hielt er mir das Duftölfläschchen unter die Nase und ich atmete tief und fest ein. Ich liebe diesen frischen Duft von Pfefferminze. Es war berauschend ihn zu riechen. Martin flüsterte mir ins Ohr. „Loslassen!“ Ich empfand es als unheimlich süß, dass er diesen Teil noch eingebaut hat, so wie wir es im Kurs gelernt und mehrmals im letzten Drittel der Schwangerschaft geübt hatten. Patricia kontrollierte ein letztes Mal die Herztöne.

Jetzt war es gleich soweit. Die nächste Welle bahnte sich an. Mein Körper schob ein weiteres Mal nach unten. Ich spürte eine enorm starke Dehnung und fürchtete ich würde reißen. Aber jetzt gab es keinen Weg mehr zurück. Ich musste da jetzt durch. Oder vielmehr musste mein Baby da jetzt durch! In dem Moment als der Kopf nach Außen trat, wechselte ich von der knienden in die sitzende Position. Der Babykopf war geboren! Patricia fragte ob ich für den restlichen Körper noch eine weitere Wehe brauche. Bevor ich jedoch antworten konnte, kam auch schon der Rest des kleinen Babys aus mir herausgeflutscht. Endlich hatte diese fiese Dehnung nachgelassen. Absolute Erleichterung durchströmte meinen Körper. Die Uhr zeigte 2:25.

Patricia half mir das Baby aus dem Wasser auf meine Brust zu heben. Der Moment als das kleine Geschöpf in meinen Händen an die Wasseroberfläche kam und ich zum ersten Mal in die offenen Augen meines Babys blicken durfte, war der schönste und zugleich spannendste meines bisherigen Lebens. Es

schrie kurz auf und machte seinen allerersten Atemzug. Martin und ich waren unheimlich gerührt von diesem magischen Moment. Ich warf einen Blick zwischen die Beine unseres Babys um nach dem Geschlecht zu sehen, das für uns bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt geblieben war. Es ist ein Mädchen! Ich habe ein Mädchen zur Welt gebracht! Elinor soll sie heißen! Darüber waren wir uns von Anfang an einig. Ich war überglücklich! „Schau wie sie schaut! Sie ist so hübsch!“ piepste ich im Hormonrausch.

Patricia kam mit gewärmten roten Handtüchern und legte sie über Elinor. Mit Hilfe entledigte ich mich meines Bikinioberteils und führte Elinor's kleinen Mund zu meiner Brust. Sie saugte sofort heftig daran was mich etwas überraschte. Beeindruckend, dass sie gleich wusste was sie tun muss. Martin versorgte mich in der Zwischenzeit mit Mandarinen und Datteln und füllte auch einen Topf mit heißem Wasser in den Pool.

Während wir nun auf die Nachgeburt warteten, lobte Patricia mich wie ruhig und flott ich das gemacht habe. Sie erzählte, dass sie beim Herauskommen von Elinor gefühlt hat, dass ihr Gesicht nach oben gezeigt hat. Demnach ist unsere kleine Elinor als Sternengucker auf die Welt gekommen bzw. in der hinteren Hinterhauptslage. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen ihr den Zweitnamen Siria zu geben, der die weibliche Form von Sirius und der hellste Stern am Himmelszelt ist. Es heißt, dass bei Babys in dieser besonderen Lage wegen des ungünstigeren Winkels der Kopfquerschnitt größer ist,


der durch das Becken hindurchtreten muss und das Baby den Kopf auf das Kinn nicht soweit auf den Brustkorb beugen kann, wie in den Nacken. Das kann mehr Schmerzen verursachen und auch eine längere Geburtsdauer. Die Geburt hat bei mir jedoch - ge- messen ab dem Zeitpunkt wo die Wellen intensiver wurden bis zum Ende - in etwa 4,5 Stunden gedauert. Ich fragte mich wie schnell sie da gewesen wäre, wenn sie richtig

herum in der idealen Startposition gelegen wäre?

Wir warteten nun schon fast eine Stunde auf die Plazenta. Ich hatte immer wieder Nachwehen, welche sich wie mittelstarke Regelschmerzen anfühlten, aber es kam nichts mehr aus mir heraus, was mich leicht ungeduldig werden ließ, da ich die Geburt nicht als komplett abgeschlossen betrachten und aus dem Pool gehen konnte. Patricia meinte, ich solle versuchen bei der nächsten Wehe mal mitzuschieben. Gesagt getan! Bei der nächsten Wehe drückte ich mit und die Plazenta schoss aus mir heraus. Es war gegen3:20 und der bis jetzt saubere Pool färbte sich rot. Patricia fischte die Plazenta heraus, legte sie in eine Metallschüssel und half mir zusammen mit Martin aus dem Pool. Vorsichtig legte ich mich, eingewickelt in ein Handtuch mit Elinor am Arm auf die Matte und stillte sie seitlich.

Kurz vor 4:00 übergab ich Elinor in Martins Obhut, während Patricia mich auf Verletzungen im Scham- und Dammbereich untersuchte. Da ich nur kleinste Risse in den Schamlippen hatte, die nicht einmal bluteten, musste ich zu meiner vollsten Freude nicht genäht werden.

Um 4:25 habe ich die Nabelschnur, welche Elinor noch 2 Stunden nach der Geburt mit der Plazenta verband und komplett auspulsiert war, durchtrennt. Danach wurde Elinor von Patricia gewogen und gemessen. Sie war 3000g schwer und 49cm groß.

Kurz nach 4:30 Uhr morgens inspizierte Patricia meine Plazenta und machte eine interessante Entdeckung. Es handelte sich dabei um eine Vasa Praevia. Das bedeutet, dass die Nabelschnur nicht wie normal in der Mitte entspringt, sondern am Rand der Plazenta. Bei mir verliefen ein paar dicke Blutgefäße teilweise an der Eihaut entlang. Die Gefahr dabei ist, dass diese Versorgungsgefäße beim Blasensprung hätten reißen können. Patricia meinte, hätte man das vor der Geburt im Zuge einer Untersuchung festgestellt, wäre eine Hausgeburt gar nicht möglich gewesen, da ich dann unter eine Risikoschwangerschaft gefallen wäre. Gut, wenn man manche Dinge nicht weiß und gut, dass nichts passiert ist.

Kurz vor 5:00 musste ich pinkeln und setzte mich aufs WC und lies laufen. AUA! Das brannte total!! Patricia riet mir ich solle Wasser mit über die Scheide laufen lassen beim Wasserlassen. Deshalb stellte ich mich unter die Dusche gleich gegenüber und stellte die Brause auf warmes Wasser ein. Ja, so war es viel angenehmer!

Um 5:00 verabschiedeten Patricia und ich uns mit einer Umarmung. Martin war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder eingeschlafen. Ich soll ihm schöne Grüße ausrichten. Ich war sehr stolz und fühlte mich total fit! Überhaupt nicht als hätte ich gerade Schwerstarbeit geleistet. Muss wohl am Hormoncocktail liegen. Patricia meinte noch bevor sie ging, ich solle mich trotzdem ja nicht verausgaben und mir und Elinor ganz viel Ruhe gönnen. Ich schloss die Eingangstür hinter ihr und legte mich überglücklich wieder zu Elinor in unser Nest und konnte gar nicht aufhören sie zu betrachten. Was für ein wundervolles Weihnachtsgeschenk!